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Frankfurter Appell gegen Sozial- und Lohnabbau
Die Große Koalition in Berlin hat die Agenda 2010 beschlossen.
Wir lehnen sie ab. Weitere Verschlechterungen sind bereits angekündigt.
Wir wollen und werden nicht hinnehmen,
dass die von den Lohnabhängigen erkämpften Sozialleistungen (Unterstützungen für Arbeitslose, Renten, Gesundheitsversorgung usw.) immer mehr ausgehöhlt und beseitigt werden und
dass das Lohnniveau über die Aushöhlung von Tarifverträgen, über Arbeitszeitverlängerung und über wachsenden Druck auf Erwerbslose gesenkt wird
Arbeit um jeden Preis ist für uns unzumutbar.
Nicht die angebliche Anspruchshaltung der Arbeitslosen, der Rentner oder das "Besitzstandsdenken" der Beschäftigten ist das Problem, sondern das Profitstreben des Kapitals und der Reichen sowie eine Wirtschaftspolitik, die ausschließlich deren Profitansprüchen verpflichtet ist. Wir sehen keinen Sinn darin, dass von Anlegern x Milliarden Euro bei riskanten Finanzanlagen verbrannt oder ins Ausland verlagert werden, während wir auf das Notwendigste verzichten sollen. Wir sehen auch nicht ein, dass Sozialleistungen deshalb abgebaut werden, um Kriegseinsätze der Bundeswehr weltweit zu finanzieren.
Wir finden uns nicht damit ab, dass immer mehr Menschen verarmen, während Kapitalbesitzer und Vermögende immer reicher werden. Es ist eine Lüge, dass wir uns eine gute Bildung für alle, gut ausgestattete Kindergärten, eine ausgebaute öffentliche Infrastruktur und öffentlichen Wohnungsbau nicht mehr leisten können. Die Kassen sind leer, weil die Unternehmen dank der "Steuerreformen" immer weniger Gewinnsteuern zahlen und weil sie gleichzeitig immer mehr Arbeitskräfte arbeitslos machen. U.a. deswegen, weil sie Arbeitszeitverlängerungen durchsetzen.
Wir sind nicht bereit, uns gegen unsere Kollegen/innen und Mitbürger/innen in anderen Ländern in einen internationalen Dumpingwettbewerb um die geringsten Arbeitskosten und billigsten Sozialsysteme treiben zu lassen. Die Regierungschefs der EU aber wollen genau das. Sie wollen mit Hilfe von Sozial- und Lohnabbau die USA bis 2010 als stärkste Wirtschaftsmacht ablösen. Deshalb Agenda 2010. Das ist nicht unser Ziel.
Wir sehen nicht ein, dass es uns immer schlechter gehen soll, während unsere Produktivität zunimmt und der von uns erarbeitete Reichtum Jahr für Jahr wächst.
Wir fordern
einen gesetzlichen Mindestlohn, der zum Leben reicht,
ein ausreichendes garantiertes Mindesteinkommen für alle Erwerbslosen, ohne Bedürftigkeitsprüfung,
die Senkung des Renteneintrittsalters auf 60 Jahre, ohne Abschläge
eine einheitliche, bedarfsdeckende Krankenversicherung.
die Rücknahme der Gewinnsteuersenkungen und die Wiedereinführung einer Vermögenssteuer,
den uneingeschränkten Zugang zu und den Ausbau von Bildungs-, Erziehungs- und Kultureinrichtungen (keine Studiengebühren und andere Gebührenerhöhungen; keine Eliteuniversitäten)
keine Privatisierung der Sozialversicherung und der öffentlichen Einrichtungen
massive Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohn- und Personalausgleich
qualifizierte Ausbildungsplätze für alle Jugendlichen.
Dazu gibt es für uns keine Alternative!
Dieser Appell wurde auf der Aktionskonferenz "Alle gemeinsam gegen den Sozialkahlschlag" am 17./18. Jan. 2004 in Frankfurt verabschiedet.
Erstunterzeichner:
- Prof. Rainer Roth, Frankfurt
- Dr. Thomas Böhm, Bezirksvorsitzender ver.di Stuttgart
- Harmut Drewes, Pfarrer i. R.
- Henning Böke, ver.di Frankfurt
- Dr. Gerd-Erich Neumann, Erwerbslosenbeirat Mecklenburg Vorpommern
- Bundesarbeitsgemeinschaft der Sozialhilfeinitiativen, Frankfurt
- Bernd Riexinger, Geschäftsführer ver.di Bezirk Stuttgart
- Norbert Koczicki, Bezirksvorsitzender ver.di Herne
- Gerald Wolf, Kabarettist
- Horst Speck, Wahlalternative Arbeit & Soziale Gerechtigkeit
- Marcel Bois, Attac Campus Hamburg
- Ferdinand Betz, Attac Fulda, PAX CHRISTI Fulda
- Gregor Mohlberg, PDS-Jugendsprecher Baden-Württemberg
- Dirk Hoeber, KV PDS Stuttgart
- Lothar Bisky, PDS-Bundesvorsitzender
- Peter Rauscher, Stadtrat Nürtingen
- Hanna Ackermann, ver.di Duisburg
- Gabi Schönfeld, IGM Ortsfrauenausschuss Reutlingen/Tübingen
- Detlef Hensche
- Werner Linnemann, Geschäftsführer ver.di Bezirk Herford-Minden
- Peter Oberhaus, PDS Wuppertal
- H. G. Lang, Gewerkschaftslinke
- Mag Wombel, Labournet, Kritische Blätter aus dem Ruhrgebiet/AMOS-Verein
- Bernd Szczepanski, Gewerkschaft NGG, B90/Grüne
- Werner Huber, B90/Grüne Ortsverband Düren
- Claudia Kasper, IG BCE, Attac
- Siegfried Deuschle, Betriebsrat bei DaimlerChrysler, IGM
- Michael Klundt, Mitglied bei GEW, Bund demokratischer Wissenschaftler/innen (BdWi)
- Wolfgang Kraemer, Gewerkschaftlich orientierte Arbeitslosengruppe im Braunschweiger Arbeitslosenzentrum
- Hüseyin Avgan, Föderation der Demokratischen Arbeitervereine (DIDF)
- Jonathan Struck, Schülervertretung an der Wilhelm Raabe Schule Lüneburg
- Konföderation der Arbeiterrinnen aus der Türkei in Europa, ATIK-ATIF-ILPS
- Ufuk Alias Berdan, Konföderation der Arbeiterrinnen aus der Türkei in Europa, ATIK-ATIF-ILPS
- Dr.Peter Krahulec, Arbeitsstelle Friedenspädagogik
- Kolja Möller, JungdemokratInnen/Junge Linke, Landesjugendvorstand DGB-Jugend Hessen
- Sebastian Fleary, Theater Sozialabbau-Projekt Bielefeld
- Gerd Pfisterer, IG Metall Vertrauenskörperleitung HSP, Dortmund
- Wolfgang Prelle, Attac Kirchheim / Teck, Kirchengemeinderat
- Helmut Schubert, GEW
- Gabriele Hoppach, DGB, ATTAC
- Werner Halbauer, Attac Berlin
- Dr. med Dieter Petschow, Kairos Europa e.V. Christen für gerechte Wirtschaftsordnung e. V.
- Frank Baier, Ver.di
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